Dass “Henne oder Ei”-Problem der Piratenpartei

Aktuell geistern viele Diskussionen durch die weiten des Internets, ob die Piratenpartei Deutschland zur Bundestagswahl 2009 die 5%-Hürde schaffen könnte, ab wann die Piraten einen eigenen Balken bekommen würden und warum Sie nicht in den bisherigen Sonntagsfragen von Allensbach, Emnid, Forsa, GMS, Infratest dimap und Co. auftauchen.
Auf Nachfrage der Blogger um Klarmachen-Zum-Ändern.de bei der Forschungsgruppe Wahlen hat man Ihnen bestätigt, dass eine Partei bereits ab einer ersten Prognose von 3% am 27.09. einen eigenen Balken erhalten würde.
Doch wo ist die Piratenpartei in den bisherigen Umfragen?

Radio-Utopie.de spricht in “ARD-ZDF-Umfragen: die Piratenpartei und die “Sonstigen”“schon fast von Manipulation und ob “das eine pädagogische Massnahme des öffentlich-rechtlichen Staatsfernsehens sein” könnte, “nach dem Motto “Setzt sich der Wähler auf die eine Seite des Bootes, setzen wir uns auf die andere”?” Ich persönlich setze mich als Pirat mal in die Mitte des Bootes und frage mich:
Was war zuerst da? Der Balken oder die 5 Prozent?
Natürlich kann es eine ganz einfache Lösung geben: Die Piratenpartei ist weiterhin ein bisher unwichtiger Faktor und gewinnt nur unter den SONSTIGEN Stimmen an Zulauf, bleibt aber weiterhin politisch unter 3-5 Prozent. Da ich natürlich anderes hoffe probiere ich es mit einem anderen Ansatz, nämlich einem Vergleich zum Henne-Ei-Problem.
Jeder kennt die Frage:
Was war zuerst da: das Huhn oder das Ei? Ohne Ei kein Huhn, ohne Huhn kein Ei… also was war denn dann zuerst da?!
Die Lösung:
In der Politik entwickeln sich neue Strömungen durch Änderungen in ihrer Wahrnehmung. In einer Generation, sagen wir mal in der “C64-Generation” treffen politische Wahrnehmungen von einer neuen Minderheit auf eine neue veränderte Welt und bilden eine Zusammenkunft – die erste Zelle eines neuen Balkens. Diese erste Zelle teilt sich dann in unzählbaren Schritten, vom Chaos Computer Club über die Freiheit statt Angst-Demo bis hin zur Piratenpartei bis alle Zellen des kompletten Balkens vorhanden sind. In jeder möglichen Wahrnehmung dieser bisherigen Minderheit enthält jede Zelle genau die gleiche Politik und diese Politik kommt aus der Gemeinsamkeit.
Balken unterscheiden sich nun von den “5Prozent-Hühnern” durch (kleine) Änderungen, die durch das Mischen der alten politischen Strömung und der neuen politischen Strömung die durch Veränderungen an der Politik verursacht wurden. Diese Änderungen und Veränderungen haben in dem Punkt einen Effekt, dass eine neue 5%-Gemeinsamkeit erstellt wird. Diese Zelle mit einer Gemeinsamkeit teilte sich, und die erste zutreffende Politik wird produziert: Die Piratenpartei.
Vor dieser ersten zutreffenden Balken-Gemeinsamkeit gab es nur alte Parteien. Die Gemeinsamkeit ist der einzige Platz, in dem Politik-Veränderungen einen neuen Balken produzieren konnten, und die Gemeinsamkeit wird im Balken der neuen Partei untergebracht. Demnach müssen die 5% zuerst gekommen sein, bevor es überhaupt einen Balken gibt.”
Das mag jetzt einwenig quarkig klingen, weil mir das Vergleichsspiel vielleicht doch nicht ganz verständlich gelingen mag, jedoch ist die Frage ob die Piratenpartei wirklich die 5%-Hürde schaffen kann auch nicht die eigentliche Frage. Eher lautet die Frage auf die ich versucht habe zu antworten, anders. Denn die Antwort für diese bekannte Frage ist abhängig von der Antwort auf die versteckte Frage dahinter.
- Also was ist diese “versteckte Frage”?
- Was versucht ich zu beantworten?
- Einfach gesagt, die Frage ist “Was glauben wir?”
Glauben wir an Demokratie und die Veränderung des politischen Systems zu seinem besseren oder an die Werte der guten alten Parteien, die uns schon den rechten Weg immer weisen werden, wie sie es “bisher” immer getan haben?
Also simpel: Die Evolutionsgeschichte oder Gott und die Geschichte der Schöpfung?
Wenn Du an die Geschichte der Schöpfung glaubst:
Wenn Du an die wörtliche Deutung der Geschichte der Schöpfung glaubst, dann ist Deine Antwort, dass der Balken zuerst da war. In der Schöpfungsgeschichte schuf Gott alle Tiere als Tiere, nicht als Eier oder Babys. So wurde das Huhn “hergestellt” und erst dann begann es Eier zu legen. Also warten wir einfach ab, bis irgendwann vielleicht bei den Umfragen ein Balken erscheint, der die Piratenpartei erwähnt und es wird schon aufwärts gehen und vielleicht irgendwann reichen für den Bundestag.
Wenn Du an die Theorie der Evolution glaubst :
Wenn Du also an die Evolutionstheorie glaubst, dann glaubst Du, dass die 5% zuerst da waren, obgleich die 5 Prozent nicht durch einen Balken produziert wurden. Laut der Evolutionstheorie würde “vereinfacht gesprochen” irgendein Vorhuhngeschöpf (CDU, SPD, FDP, GRÜNE) ein Ei gelegt haben (Zugangserschwerungsgesetz?) und dieses 5%-Ei würde eine durch Mutation entstehende Variation mit unterschiedlichen politischen Vorstellungen als seine Mutterparteien haben.
Als Ergebnis der Änderungen hätte sich daraus also die moderne Piratenpartei gebildet. Aufgrund der besseren Anpassung an die veränderte Welt würden immer mehr dieser Piraten entstehen, die eine Mischung zwischen dem Huhn und den Vorhuhntieren sind.
Mein schwurbeliges Fazit:
Es sind bereits 5%, wir erreichen Sie nur noch nicht. Die meisten hoffen bereits jetzt auf Balken die 2 oder 3 oder meinetwegen nur den zur Europawahl erhaltenen 0,9%, damit die Piratenpartei weiter in die Öffentlichkeit kommt, was auch ein berechtigtes Anliegen ist. Jedoch muss die Piratenpartei die 5% Hürde schaffen, ab dann werden wir auch durchgängig mit einem Balken vertreten sein. Wir müssen diese Fünf Prozent der Wähler mobilisieren und Ihnen erläutern, dass Sie wählen gehen müssen, damit sich auf Dauer ein Balken bildet und auf Dauer auch die Fünf Prozent bleiben.
Wie war es denn bei den Grünen? Gibt es Archive der Wahlprognosen der Bundestagswahlen und den letztendlichen Einzug? War da am Prognose-Balken der Einzug sichtbar? Wurden damals manche Wählerschichten von den Sonntagsfragen überhaupt nicht mehr erreicht? Würde mich wirklich interessieren.
Ich zücke jedoch gleich Ockhams Rasiermesser:
“Von mehreren Theorien, die die gleichen Sachverhalte erklären, ist die einfachste allen anderen vorzuziehen.” Leider.
Was nicht heißt, dass wir es nicht schaffen können. Klarmachen zum Ändern!


