
20 Jahre. Fast unser ganzes Leben.
Es gibt ein Bild von mir aus dem Jahre 1990 wo ich als Dreijähriger neben einen patrouillierenden NVA-Soldaten an der Neuen Wache im Berliner Ortsteil Mitte stehe. Es gibt insgesamt acht DDR-Stempel in meinen beiden Kinderausweisen, die entweder aus Drewitz oder Marienborn/A. stammen, da dies anscheinend unsere Transitstrecke zu unserer Verwandschaft nach West-Berlin gewesen ist. Und es gibt noch eine Mitropa-Quittung, die wegen zu langer Aufenthaltzeit auf der Transitstrecke vorgelegt werden musste, weil mein Vater auf einem Rasthof unbedingt ein Tauschgeschäft mit Müsliriegeln und Gurken machen wollte. Mehr persönliche Erinnerungen an die DDR habe ich nicht.

Ich wurde 1987 geboren und kann mich daher beim besten Willen nicht an den Mauerfall, die Reaktionen meiner Eltern oder andere Dinge erinnern, denn es gab für mich nie eine DDR.
Aber 20 Jahre Mauerfall hat auch für mich eine persönliche Bedeutung. Denn ich liebe bereits seit drei Jahren eine Ostfrau.
Sie wurde auch 1987 geboren, im November. Von ihr gibt es viele Fotos aus der DDR, viele Erinnerungen und Eindrücke aber richtig erinnern, kann auch Sie sich nicht mehr an ihre eigene, persönliche DDR.
Zwar hat sie noch einige Jahre “wie in der DDR” gelebt, doch ein Gefühl für die DDR konnte sie nicht mehr bekommen.
Es gab für uns nie ein geteiltes Deutschland, für uns gab es keine Jahre der Trennung, für uns gibt es nur die Einheit und dafür möchten wir heute Danke sagen.
Wir beide möchten heute, zwanzig Jahre nach dem Mauerfall nicht über Mikhail Gorbachev oder Helmut Kohl, Gabowski oder all die anderen kleinen Zahnrädchen schreiben die zum Fall der Mauer beigetragen haben, sondern über die eigentlichen Akteure dieses historischen Tages, nämlich all die Menschen denen wir es zu verdanken haben, dass wir heute zusammen hier sitzen können.
All den Menschen, die wir nur aus den Dokumentationen kennen, die gemeinsam von sich selbst nur sagen, dass sie das Volk sind.
All die glücklichen Menschen, die Tränen und die freundschaftlichen Umarmungen, die Gesänge und Hupkonzerte kommen uns unwirklich und unvorstellbar vor, doch wir fühlen uns sehr mit Ihnen verbunden, denn wir kennen nur die persönlichen Aussagen unserer Familien und die kommen aus Ost und West.
Meine Familie hatte nur Verwandschaft in Westberlin, daher auch keinen Kontakt mit der DDR gehabt. Ihre Familie hatte keine Verwandschaft im Westen, daher auch keinen Kontakt mit der BRD gehabt.
Auch heute lebt der Großteil ihrer Familie noch im ehemaligen Staatsgebiet der DDR, auch wenn ihre Mutter bereits früh mit ihr und ihrem Bruder nach Niedersachen gezogen ist.
Als wir Anfang des Jahres bei Saalfeld/Saale in Thüringen ihre Großeltern besuchten um ein Geburtstagsjubiläum zu feiern, fragte uns ein älterer Gast aus dem Bekanntenkreis des Geburtstagskindes und anscheinend ehemaliger Stasi-Spitzel ganz beiläufig:
“Ist es nicht komisch so zwischen Euch? Klar ihr sprecht eine Sprache aber ihr habt doch sicherlich viele Unterschiede oder?”
Meine Antwort lautete:
“Sicher, denn sie ist eine Frau und ich bin ein Mann. Größere Unterschiede kann es wohl nicht geben..”
Viele Medien fragen sich im angeblich fürsorglichen Auftrag des Volkes,wann Deutschland denn endlich aufhört in West und Ost zu denken. Sie machen Umfragen mit ca. 1000 Persönchen, in denen 12-13 Prozent der Befragten meinen, sie wünschten sich die Ost-/West-Grenze wieder zurück.
Wir können nur aus unserer eigenen Erfahrung sprechen und aus den Augen junger Betrachter die Frage, seit wann das Volk nicht mehr so denkt, mit folgender Überzeugung beantworten:
Anscheinend seit 20 Jahren. Und dafür möchten wir Danke sagen!
(Der Beitrag wäre nicht ausreichend ostalgisch genug gewesen wenn ich nicht noch irgendwo Scorpions oder wenigstens Hasselhoff unterbekommen hätte..)
Bisher wurde kein Kommentar hervorgehoben.4 sagen was zu “Ostfrau und Westmann sagen Danke!”
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November 9th, 2009 at 18:23
Für mich als bald Fünfzigjährigen eine interessante Perspektive, denn in deinem Alter kannte ich eben nur BRD und DDR und konnte mir eine Wiedervereinigung überhaupt nicht vorstellen. Was mir permanent rätselhaft bleibt, sind die 12%, die wieder eine Mauer möchten. Was sollte da für irgend jemand besser werden?
November 9th, 2009 at 18:34
Hat er nicht wirklich gefragt?!? LOL
Ich bin ja selber erst 17 von daher gibt es für mich wirklich nur Deutschland aber auch obwohl ich im “Osten” aufgewachsen bin, kenn ich nicht wirklich irgendwas von der DDR.. Diese 12 Prozent sind leute die keine Ahnung haben und nur meckern wollen. Wenn wir die Mauer hätten würden sie heulen, dass wir sie hätten. Idioten gibt es immer!! WIR SIND DAS VOLK!
November 10th, 2009 at 09:09
[...] bei Spreeblick [via netzpolitik.org], und auch Nico erinnert sich, genau wie Blognachbar Torben. Und der Bulo hat wie seine ganz eigene, nicht ernstgemeinte Sicht der Dinge [via F!XMBR]… [...]
November 21st, 2009 at 13:02
Hallo,es war eine Freude für mich,Ihren Bericht zu lesen.Danke.Ich bin über 70 und habe den Bau der Mauer hautnah in Berlin erlebt.Und dann kam- unvorstellbar für mich- der Sturz.Es ist für mich das wichtigste Erlebnis unserer Geschichte.Schauen Sie nach vorne und ich tu es auch.Alles Gute für Sie.