Zeiten ändern sich, auch wenn erst in 20 Jahren.

spdaustritt

*In (starker) Anlehnung an Johnny Haeuslers “Auf Nimmerwiedersehen, SPD!“:

Das war’s dann wohl für die nächsten Jahrzehnte mit der SPD und mir. Von der CDU erwarte ich nichts, so lange ich denken kann erregt das Weltbild dieser Partei bei mir nur Übelkeit, aber was sich die SPD in den letzten Jahren geleistet hat und besonders, was nun im halbherzigen, feigen und vor allem völlig nutzlosen Verhandlungsgefasel hinsichtlich der Internetsperren zu sehen war und zur Durchführung am gestrigen Tage führte, bringt das Fass zum Überlaufen.

Wer die bisher erfolgreichste Online-Petition mit über 130.000 Stimmen sowie Hinweise aus den eigenen Reihen und Experten-Meinungen aller Art ignoriert, der kann sich übrigens auch weitere Gespräche in die Haare schmieren. Diesen lächerlichen Image- und Strategie-Quark mache ich nicht mehr mit.

Wer vor Printmedien den Kopf einzieht, junge Parteimitglieder wie Björn Böhning nicht anhört, wer auf einen Online-Wahlkampf in Obama-Manier setzt und seinem Online-Beirat keine Beachtung schenkt, nicht das Potential der besser informierten Gesellschaft sieht, macht sich für mich aus den in meinem Offenen Brief an die SPD-Bundestagsfraktion genannten Gründen unwählbar und lässt mich zu dem Schluß kommen, anderweitig mehr Veränderung hervorbringen zu können.

Doch wenn in einigen Jahrzehnten die “Piraten in der SPD” und somit die jüngere Generation im Alter der jetzigen Führungsriege ist, vielleicht wird dann die SPD wieder für mich als dann nicht mehr jungen Menschen wählbar sein. Nur frage ich mich, was noch übrig sein wird und ob man den nachfolgenden Generationen gerecht werden kann.

Besinnt euch auf Eure Werte, redet und hört auf die Bevölkerung und macht Politik, keinen in der heutigen Zeit zum scheitern verurteilten Wahlkampfpopulismus.

  • Dank möchte ich der offline sogenannten Internet-Community aussprechen, die sich immer mehr zu einer internationalen Gemeinschaft formiert, die kritisch interagiert und hinterfragt, Politik in Ihrem Grundverständnis lebt und gestaltet und sofort hilft und behilflich ist.
  • Speziellen Dank möchte ich an Lars Reineke richten, der mir geholfen hat meinen Offenen Brief selbstkritisch zu hinterfragen und ihn unseres Erachtens strukturiert zu formulieren.

Wichtig zu sagen ist, daß mit solchen Aussagen Transparenz geschaffen wird. Wenn jemand hinter einem steht und hilft, sowie unterstützt, gehören sie genannt und benannt. Quellen und Angaben sind heutzutage wichtiger denn je, denn es gibt immer jemanden, der hinterfragt und nicht Ruhe gibt, bis er die Antwort kennt und einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellt.

Heute Abend geht mein SPD-Parteibuch, zusammen mit einer kleinen Internetausdruck-Mappe, zurück an den Absender.

Danke für all eure Unterstützung & Kritik!

Weitere öffentliche Austritte:

14 sagen was zu “Auf Immerwiedersehen*, SPD!”

  1. Limited Says:

    Ich kann den Schritt nachvollziehen.

    Dass die SPD-Bundesspitze soziale Gruppen vergrault und sich ihre Expertise je nach vorgefertigtem Urteil zusammenschustert, ist ja nichts neues.

    Begonnen mit der Agenda 2010 und der Leiharbeit, dort hat man die Gewerkschaften und Sozialverbände ignoriert. Man war ja auf dem glorreichen Weg in die “Mitte”. Den Schaden hatten die Arbeitslosen.

    Nun geht es gerade so weiter. Statt auf kompetente Stimmen zu hören, die der SPD nahestehen, vollzieht man einen vorauseilenden Kotau vor Bild und Union und vergrault die jüngere netzaffine Generation. Den Schaden haben wir alle.

    Soviel Dummheit und Ignoranz tut schon weh. Vor allem wenn man sich nahezu täglich on- und offline für diesen Saufhaufen rechtfertigen muss.

    Ich bleibe aber dabei, vor allem weil ich vor Ort und auf Landesebene noch echte Sozialdemokraten zu erkennen glaube.

    Ich warte vorerst noch ab, ob sich nach der Bundestagswahl die Chance für einen Neuanfang ergibt. Ich bin da eher skeptisch, ich kann nicht erkennen, dass eine Andrea Nahles oder ein Johannes Kahrs als prominente Vertreter der “jungen” Generation dafür stehen könnten. Aber ganz so leicht wird mich die alte Tante nicht los. Sollten sich aber demnächst noch weitere derartige “Glanztaten” ergeben, wird wohl auch bei mir die Schmerzgrenze erreicht sein.

    Alles Gute – Glück auf
    Christian

  2. Internetsperren 19.06.2009: Artikel und Kommentare « Wir sind das Volk Says:

    [...] Blogsprache.de: Auf Immerwiedersehen*, SPD! [...]

  3. nedfuller Says:

    Schickst du die Sachen einfach zurück und sagst das wars?
    Ich will auch raus. Nach gestern geht’s nicht mehr.

  4. Torben Says:

    Einfach einen Zweizeiler schreiben, Parteibuch schnappen und beim 1. Vorsitzenden des Ortsvereins oder zuständigen Parteibüro abgeben. Falls die persönliche Konfrontation ungewünscht ist, einfach via Post.

  5. Lars Says:

    Ich habe bei der Formulierung gern geholfen, wenn sie auch rein formell nicht erforderlich ist.

    Formlos schreiben, daß man austritt, fertig.

    Mein altes SPD-Parteibuch habe ich immer noch.

  6. Marc Says:

    Bin am Donenrstagabend noch ausgetreten.

    Habe dabei einen Absatz aus deinem 1. offenen Brief genannt, der mich bestärkt und überzeugt hat. Vielleicht denkt jemand drüber nach, aber ich glaube es kaum.

  7. Projekt 18 von der SPD gestartet | Der Grabsteinschubser Says:

    [...] des Zensurgesetzes am 18.06. hat die SPD nun mit einigen Austritten zu kämpfen. So haben Torben Friedrich (Blogsprache), Julia Reda, und Jörg Kantel (Schockwellenreiter) bereits öffentlich ihren [...]

  8. Tom Says:

    Ich sympathisiere, aber stelle die Frage:

    Was bringt es, wenn das Wahlergebnis nachher so aussieht:

    38% CDU
    18% SPD
    13% Grüne
    12% FDP
    12% Linke
    5% Piraten
    2% Sonstige

    Das führt nur dazu, dass die CDU/FDP auf lange Zeit das Geschick von Deutschland bestimmen dürfen. Denn zu einer Koalition zwischen SPD/Grüne/Linke und Piraten wird es nie kommen.

  9. Torben Says:

    Ich verstehe dich, aber stelle die Frage:

    Was bringt es, wenn das Wahlergebnis nacher so aussieht:

    48,8% CDU
    38,2% SPD
    7% FDP
    5,6% Grüne
    0,4% Sonstige

    Das führt nur dazu, daß die CDU/FDP auf Zeit das Geschick von Deutschland bestimmen dürfen. Denn zu einer Koalition zwischen SPD/Grüne wird es nie kommen.

  10. Tom Says:

    Gut gekontert. Ich hoffe, dass es wirklich so kommt wie bei den Grünen in den 80ern. Die Frage ist ja, ob es eine Mehrheit links der bürgerlichen Mitte gibt, und ob diese sich sammeln kann. Derzeit sieht es da düster aus, sowohl in Sachen Mehrheit als auch insbesondere in Sachen sammeln. Wir werden sehen.

  11. Torben Says:

    Mit Menschen die hoffen, daß es wirklich so kommt wie in den 80ern, stellt sich nicht die Frage, ob es eine Mehrheit links der bürgerlichen Mitte gibt, sowohl in Sachen Mehrheit als auch insbesondere in Sachen sammeln, sondern ob sie nur sympathisieren oder interagieren. Wir werden sehen.

  12. Jan sein Blog › Der SPD laufen nicht nur die Wähler weg - updated 17:40 Says:

    [...] bei Annahme des Gesetzes angekündigt, welchen er dann auch nach knapp 4-jähriger Mitgliedschaft konsequent vollzogen hat: Wer vor Printmedien den Kopf einzieht, junge Parteimitglieder wie Björn Böhning nicht anhört, [...]

  13. Austritte bei der SPD « Ypsilonminus das Blog Says:

    [...] Blogsprache [...]

  14. Wochenrückblick 15.06. – 21.06.2009 « Sikks Weblog Says:

    [...] http://www.blogsprache.de/2009/06/19/auf-immerwiedersehen-spd/ [...]